KikiiRose

Kolumnen


Kikii In The City: Filmfestspiele Cannes

Dieses Mal wurde der Koffer komplett anders gepackt.

Er war auch viel schwerer, als die letzten Male. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er kleiner war, obwohl es der gleiche Koffer, der gleiche Urlaub und die gleiche Zeit war. Er muss eingegangen sein - in der Zeit, in der er auf dem Dachboden stand. Oder hab ich ihn verwechselt? Nein, kann nicht sein, er sieht aus wie mein Lieblingskoffer, den ich mir durch emsiges Sammeln von Aralpunkten erworben habe. Außerdem war die Schuhtasche auch plötzlich zu klein. Es musste einen anderen Grund geben. Es musste an den Filmfestspielen liegen. Eine der bedeutendsten Filmfestspiele der Welt. Hier trifft sich alles, was Rang und Namen hat. Da darf Kikii Rose nicht fehlen.



Nun gut der Koffer war zu klein, aber ich hab ja noch den Kleidersack. Das Auto fährt’s ja. Auf nach Cannes. Auf an die Côte. Auf in die Sonne …

Sonne? Kalt und Regen, ohne…. das geht ja gar nicht, ich hab nur Sommerklamotten und Abendgarderobe dabei. Durchhalten, nur durchhalten. Nach meinen Erfahrungen hält das Wetter nicht lange durch. So war es dann auch. Nach zwei Tagen war der Spuk vorbei ...

Die Sonne kam und brannte in alter Stärke. Das war der Startschuss ...

Selbst bis ins Esterel hat es sich herumgesprochen, dass Mickey Rourke um 21.30 Uhr über den roten Teppich geht. Filmpremiere für den Film Sin City.

Normalerweise brauche ich maximal 30 Minuten für Duschen und Stylen. Heute 31.

Schon die Einfahrt nach Cannes in den Hafen, sehr beeindruckend, was dort für Yachten liegen. Man hat das Gefühl, die Luft brennt. Alles ist aufgestylt. Menschen über Menschen in Smoking, Abendkleidern oder zumindest super-elegantes Fußvolk. Zudem wir uns natürlich auch zählten.

Wir wollten unbedingt ins Farfalla, wohl eine der angesagteren Locations auf diesem Festival, nach dem es genau gegenüber dem Casino liegt, wo die Stars über den roten Teppich schweben.

Es hat uns nur keiner gesagt, dass an diesen Tagen vor den Lokalen große, mächtige Türsteher stehen und du an diesen erst einmal vorbeikommen musst.

Ich weiß nicht, was diesen Türsteher an diesem Abend überzeugt hat. War es die weiße, halbtransparente Bluse? Die zwanzig Zentimeter Manolo Blahniks? Mein Dreikaräter am Hals, oder mein unwiderstehlicher Ach-bitte-lass-mich-doch-da-rein-ich-bin-auch-ganz-lieb-Blick. Ich denke aber, dass es doch dieser gut aussehende Mann, mit dem perfekten Französisch an meiner Seite war. Auf jeden Fall wurde uns die Tür geöffnet und der beste Platz im Lokal vorbereitet. Da saßen wir nun auf unserem Podest, mit Blick auf die Croisette.

Was für ein Genuss… nur das Essen nicht. Aber an diesen Tagen kann man über alles hinwegsehen. Vor allem an so einem Tisch.

Um 21.30 Uhr verließen wir diesen Ausblick, um uns gegenüber am roten Teppich den Rest zu geben. Und wir wurden belohnt.

Eine riesige Leinwand, direkt neben dem Aufgang. Man konnte zur Linken den Teppich sehen, an dem hunderte, ach was sage, ich tausende Fotografen standen, und auf der Rechten die Leinwand in dem man das ganze Szenario verfolgen konnte wie im Fernsehen, obwohl man von den Stars nur zehn Meter getrennt war.

Die ersten Starlets, die über den Teppich schwebten, waren für mich unbekannte französische Schauspielerinnen. Man konnte an der Begeisterung der Zuschauer die Wichtigkeit erkennen. Ich war schon fast ein wenig enttäuscht, als ich meinen Augen nicht traute. Aus der Limousine stieg Morgan Freeman, DER Morgan Freeman ... Wow! Jetzt ging’s aber richtig ab … Selma Hayek mit dem türkischen Sahneschnittchen Fatih Akim … Eva Herzegovina mit Stardesigner Galliano, aber dann ging’s los … Benicio del Toro, Clive Owen, Mickey Rourke, der seinen Schönheitschirurgen verklagen sollte, Michael Madsen und und und … Hollywood live eben. Und am Schluss Liza Minelli. Die Filmwand wurde geschlossen, die Stars im Kino und wir auf der Straße.

Aber es ist doch schon beeindruckend. Da hat man Hollywood fast zum Anfassen und sieht doch viel lieber auf die große Leinwand, die einem dass Gefühl von unnahbar vermittelt, von Glamour und nicht erreichbar. Stars wie Götter. Aber man dreht sich um, und all das ist weit weg. Hollywood mit dicken Popos, Falten, affektierten Starlets. Da ist wenig von den Bildern, die wir im Kopf haben oder uns machen. Das ist die Realität. Wir sind doch alle gleich und werden alle älter. Die einen verdienen nur für ihre Show ein wenig mehr. 
 

Kikii In The City: Frauen und Frauenzeitschriften

Warum nur lesen so viele Frauen Frauenzeitschriften? Also ich meine nicht die intellektuellen wie Brigitte oder... – Sorry, mehr fallen mir im Moment nicht ein. Nein, ich meine die, in denen man nicht so viel Text zu lesen hat, sondern viele schöne, große, farbige Bilder mit Stars, Sternchen und viel Mode, für die, die nicht genau wissen, was man in diesem Sommer zusammenstellen kann, das im letzten Jahr total verpönt war, und die, die nicht wissen wie man sich schminken soll und was ein absolutes „ Must have “ in dieser Saison ist.

Also auch ich lese diese Zeitschriften und ich liebe sie. Manche habe ich sogar abonniert. Sie liegen in meinem Studio oder auf dem Örtchen. Was sollte ich mich dort mit intellektueller Lyrik befassen, wenn es doch so unterhaltsam mit Joy, Jolie, Glamour und InStyle ist.

Ich bin immer auf dem neuesten Stand. Kann die Stars bis ins Schlafzimmer verfolgen und weiß immer, mit wem sie etwas haben und wie.

Normalerweise bin ich ganz heiß auf das Frühstücksfernsehen am Dienstag und Donnerstag in Sat1, weil dort Frau Weischberger alles über den Klatsch und Tratsch der Promis berichtet, aber mit meinen Toilettenzeitschriften bin absolut aktuell.

Da stand doch irgendwann einmal in der InStyle, dass Nicole Kidman in ihrer Handtasche immer Hämorridensalbe hat, weil diese bestens geeignet ist, um geschwollene Augen zu mindern.

Toll, denke ich. Geschwollene Augen und Tränensäcke hab ich auch manchmal, das muss ich versuchen. Also bin ich in die nächste Apotheke gesaust und hab gefragt, ob sie damit Erfahrungen hätten. Ich glaube, die Apothekerin wollte lachen, hat sich aber gekonnt zurückgehalten. Nach langem Hin und Her sagte sie, sie würde sich das, was sich andere an den Hintern schmieren nicht unter die Augen jucken. Völlig frustriert bin ich von dannen gezogen, ohne meine super Salbe, die Nicole immer parat hat.

Da fiel mir ein, ich könnte doch meine Freundin in den USA bitten, mir diese Salbe zu besorgen. Ich schrieb eine E-Mail und bat sie, mir diese ohne Kommentar zu schicken.

Vier Monate später, hielt ich nun diese Wundersalbe in den Händen. Genau die, die auch Nicole benützt. Und, ich hab sie sofort ausprobiert. Hatte wohl gestern nicht ausgeschlafen und war ein wenig verschwollen. Und… was soll ich sagen? Kann man machen, muss man aber nicht! Einen Unterschied hab ich nicht wirklich erkennen können, auch nicht nach Stunden. Und was sagt uns das? Glaube nicht an das, was in diesen Zeitungen steht, denn sie haben nicht die Namen der Originalprodukte, sondern Namen von billigen Kopien. Aber wenn ich Nicole das nächste Mal in Cannes treffe, werde ich sie nach genau ihrer Hämorridensalbe fragen. Und dann bin ich wieder aktuell.

Kikii In The City: Der Froschkönig

Eigentlich klingt es wie ein Märchen. Da erzähle ich meinen Mädels jahrelang, dass sie raus müssen um den Traumprinzen kennen zu lernen. Es wird wohl kein Prinz unverhofft plötzlich vor der Tür stehen, klingeln und sie auf einem schwarzen Hengst entführen.

Aber, ich muss gestehen, ich hatte Unrecht.

Gerade an dem Tag, als mir klar wurde, dass sich mein Froschkönig in eine dermaßen hässliche Kröte verwandelte, eine, in die man am liebsten einen Strohhalm steckt und aus dieser Kröte einen Knallfrosch macht. An so einem Tag treffe ich meinen Froschkönig. Wo?? Im Internet!

Ne, oder ?

Doch !

Eigentlich wollte ich nur eine Recherche für eine Kolumne machen. Da spricht mich doch dieser Mensch an. Mit Bild! Hm, denke ich, nettes Gesicht! Dieses Gespräch war dermaßen witzig, dass ich neugierig wurde. Ich gab ihm meine Internet Homepage, da er sich Bilder in der Galerie ansehen wollte. Es folgte ein sehr amüsanter Emailwechsel in den nächsten Tagen, und die Anfrage sich doch einmal zu treffen. Neugierig war ich ja schon, aber treffen? Mir fielen dann doch noch ein paar Ausreden ein.

Eine Woche später, ich saß noch an einer Kundin, klingelte es an der Tür. Da stand ein verdammt gut aussehender Mann mit schwarzem Hund vor der Tür und fragte mich ob es noch lang dauerte. Ich sah meine Kundin an, denn ich dachte, es wäre ihr Mann, sie schüttelte mit dem Kopf und ich fragte Ihn „ wer sind sie denn?“ „Ich bin der Froschkönig aus dem Net.“ Ich war einen Moment sprachlos. Als ich mich wieder gefangen hatte, bat ich ihn herein und setzte ihn samt Hund ins Loft.

Während ich meine Kundin beendete, fiel mir ein, dass ich heute meinen Zwei-Tage-Haare-nicht-gewaschen-ungeschmnikt-schlabber-Klamotten Tag hatte. Also schlimmer ging es nimmer! Aber das beeindruckte den Frosch nicht. Vielleicht trägt er ja eine Brille, und hat sie vergessen?

Also es könnte sein, dass mein Frosch die Brille bis heute vor mir verheimlicht, aber ich habe ihn irgendwann dann doch geküsst und es hat „blob“ gemacht, und aus dem Frosch wurde ein wahrhaftiger Prinz!

Und meinen Mädels sage ich jetzt immer „ Bleibt schön zuhause am PC, bloß nicht vor die Tür gehen!“

Kikii In The City: Leben und Leben lassen...

Seit der Erfindung der automatischen Buschtrommel bleibt einem nichts mehr verborgen. Bekam ich doch im Urlaub, 1100 km entfernt von zuhause, einen aufgeregten Anruf. Es ging um ein Gerücht, das Coburg seit Wochen beschäftigt. Ein Gerücht, das anscheinend so interessant sein muss, dass die Menschen sich schon seit drei Wochen damit beschäftigen und es immer noch skurriler und verstrickter wird.

„Ja, ich hab es auch schon gehört. Schon vor Wochen, aber ich glaube es nicht.“

„Hast du deshalb nichts gesagt?“

„Nein, sondern weil ich nicht will, dass es weiter verbreitet wird.“

Mehrere Personen hatten mich vor meinem Urlaub darauf angesprochen, mit dem Hinweis „Du musst das doch wissen!“, „Von dir wollen wir das nun bestätigt haben“. Dabei frage ich mich, warum ich das wissen sollte?

Aber eigentlich müssten doch eben genau diese Leute wissen, dass, auch wenn ich es ganz genau wüsste, ich ganz sicher nicht drüber reden würde.

Wie gerne hätten sie von mir eine Bestätigung erhalten, um sich damit zu brüsten oder profilieren zu können und es nun ganz genau zu wissen. Sie würden vielleicht sogar sagen „Oh wie schade“ oder dergleichen. Auf jeden Fall würden sie weiter darüber reden und das Gerücht würde weiter seine Runde machen.

Aber selbst wenn etwas Wahres daran sein sollte, geht es uns denn etwas an?

Ja, über andere zu reden, das lenkt ab von unserer eigenen langweiligen Persönlichkeit. Man könnte ja etwas wissen, das Andere nicht erfahren hatten und sind so einen kleinen Moment lang furchtbar wichtig.

Es gibt Leute, die sagen, „ich glaube dir nicht, dass du nie tratscht“. Dass mag schon sein. Ich tratsche gerne mal über Paris Hilton, Dieter Bohlen oder was ich sonst noch in meinen Toilettenzeitungen finde. Und hab richtig Spaß dabei, was den Journalisten alles zu den Promis einfällt, aber glauben tu ich trotzdem nicht, was dort steht

Warum spricht man diese Person nicht direkt darauf an, wenn es doch so interessant ist. Ja, das ginge dann doch ein wenig zu weit in die Privatsphäre.

Aber ich werde mich hüten, Gerüchten zu glauben, geschweige denn, sie zu verbreiten. Bin ich doch selber eine Person, über die man gerne spricht. Über mein buntes Leben, die Höhen aber vor allem über die Tiefen.

Neid liegt in der Natur des Menschen, der nicht in Harmonie mit sich lebt. Aber sind wir den nicht alle unseres Glückes Schmied?

Toleranz ist ein Segen. Und „Leben und Leben lassen!“ ist mein kleine Lebensweisheit an die ich mich gerne immer wieder halte.

Kikii In The City: Disco in Bamberg??? Ohgott

Seit drei Tagen habe ich schlechte Laune, so schlecht, dass mich keiner falsch ansprechen darf. Aber warum? Wenn eine Frau schlecht gelaunt ist, gibt es nur vier wirkliche Gründe: entweder sie hat ihren Eisprung, ihre Periode, Liebeskummer oder das Wetter ist schlecht.
 

So, ich hatte gleich drei gute Gründe. Und nachdem ich den Eisprung und die Periode nicht gleichzeitig haben kann, bleibt nicht viel übrig.
Das Wetter macht mich ganz fertig. Es ist fast Mitte Mai und ich habe die Heizung wieder angedreht, meinen Eisprung hatte ich schon und seitdem auch den Liebeskummer. Ich sage nur PMS.
O.K.. Aber alles im grünen Bereich. Der Eisprung ist vorbei der Rest vergeht auch nach sechs Tagen, das Wetter ist heute super und der Liebeskummer vergeht von selber bei meiner gigantischen Laune.
Aber ich sitze in Coburg…. Und ich werde verdammt noch mal heute Abend nicht wieder mit meinen Strickzeug ein Rendezvous haben, nein …. heute gehe ich aus! Aber mit wem?
Meine Mädels sind im Urlaub, alle. Aber, mein Bruder, der ist gerade Single… genau das Richtige für mich.
20 Uhr werde ich abgeholt, um nach Bamberg zu fahren. Gut, andere Gesichter sehen. Eine neue Disco hat am Bahnhof eröffnet. O.K., mir ist alles recht. Erst was Leckeres essen gehen, dann ins …….- Na, vielleicht ist 22 Uhr doch ein bisschen früh, aber vier Türsteher. Als ich dort eintrat, wusste ich nicht, was mit mir geschah… ich war auf einmal in einer Zeitmaschine, wie im Film, zwanzig Jahre zurück. Ich hörte die Musik von 1985, hatte sofort das Galaxis in Rödental vor meinem geistigen Auge und… einen Toni Sattler nach dem anderen vor mir stehen. Vokuhilaolibas ohne Ende, einer besser als der andere. Boh ey, wäre ich ins Parkhaus gegenüber, es ständen nur Mantas und Traktoren dort. Nicht nur, dass diese Disco wie eine Gruft eingerichtet ist, es sind auch die passenden Leute dort. Ü30-Party? Das war mehr eine Knapp-unter-50-Party. Mein armer Bruder, der wurde von den Mädels mit schmachtenden Blicken überhäuft. Ich frage mich nur, wer kauft solche Zeitungen wie Glamour, InStyle usw?? Wenn man hier nach so einer Zeitschrift fragen würde, fragte man sich sicher, ob das ein neues Getränk ist oder ein ausländisches Kuchenrezept.
Es hat genau einen Cocktail (der wirklich klasse schmeckte) und drei Lieder der Black-Music-Szene 1985 gedauert, dann riss ich meinen Bruder aus dem Sog der Blicke und wir waren auch schon wieder verschwunden.
Ab nach Coburg, ab ins Brazil. Das ist zwar für einen Cosmopolitan wie mich nicht unbedingt die Erfüllung, aber Heimat.
Und morgen habe ich wieder Rendezvous mit meinem Strickzeug und meiner InStyle..