Gedanken zurück..

Es ist warm, aber schon dunkel. Moskitos sausen durch die Luft die mit Raucherstäbchenrauch gewürzt ist,  um diese vom mit fernzuhalten.  Die Terrasse ist beleuchtet von Kerzen. Ich liebe Kerzen, das Licht der Romantik und der Träumerei.  Der Sommer hat in Spanien begonnen, die erste Nacht die nicht enden will.

Jon war zum Essen hier. Restaurant Kikii, in dem man seinen Fisch mitbringt und sich zubereiten lässt. Jetzt ist er zum Schlafen denn seine Nacht beginnt erst um 23.30h wenn er in den Jazzclub geht zum Piano spielen. Nicht mehr für mich. Ich darf jetzt zum Spaß arbeiten, muss nicht mehr. Ich kann ganz entspannt entscheiden ob ich nun noch ausgehe oder lieber den Rest der Nacht mit mir verbringe.

Das Meer ist von der Stadt beleuchtet und die Burg. Lichter in den Häusern um mich herum. Weit genug entfernt um sich privat zu fühlen. Was für ein Glück dieses Haus. Eines der wenigen, dass eingebunden ist in einen Gürtel Naturschutzgebiet. Dazu gehören auch die Hauskatzen, die ich anfütterte und nun liebevoll um meine Beide streichen. Schlafen tun sie in der Natur, zum fressen und schnurren in unser Grundstück. Ich liebe dieses Haus. Es ist so wie ich es mir vorstellte. Mein Blick geht weit bis aufs Meer. Als Jon mir das Haus zeigt und mich fragte was ich davon hielt, spürte ich sofort diese Magie die von ihm ausging. Ein altes Haus, dass liebe brauchte, Seele zurückbekam, die Seele die es verdient hat. Fast alle Stellen der Feuchtigkeit sind vergangen. Jazzmusik dringt durch die Mauern jeden Tag. Es hält meine Tonleiter Tag für Tag aus und wird dafür mit den Piano von Jon beschallt. Das Haus mag mich, weil ich es liebe und es ihm jeden Tag sage, wie wundervoll es ist, auch wenn ich zu wenig Platz habe zum malen. Für mein letztes Bild schleppte ich die Malsachen drei Tage auf die Terrasse um die große Leinwand zu beleben. Ein Atelier in einem Licht durchflutetem Loft steht auf meiner neuen Wunschliste um die großen Bilder für die New Yorker Ausstellung zu malen. Spontanrealismus, mein neuer Stil, der großen Anklang findet. Dabei hatte ich gerade wieder einen Anfrage aus Holland wegen eines meiner Porträts. Man liebt sie oder hasst sie. Ich liebe sie und werde sie immer malen. Der Spontanrealismus fällt mir leicht wie alles was ich mit Leidenschaft tue, doch meine Porträts, dass ist Leidenschaft in Vollendung.

Zwei Jahre sind nun vergangen als mich der größte Schmerz mich hierher trieb. Eine Entscheidung zum sterben. Ich konnte den klassischen Weg wählen oder das tun, was sich die meisten wünschen doch sich die wenigsten trauen. Im existierenden Leben sterben um wiedergeboren zu werden, sich die Chance geben mit dem Wissen der Vergangenheit ein komplett neues Leben zu beginnen. Kein Stein steht mehr auf dem anderen, nichts ist mehr wie vorher, alles in diesem Leben hat sich verändert. Dieser Schritt war ein sehr langer Prozess, doch weiß ich das Glück zu schätzen, dass ich geführt worden bin, weil ich die Kraft dazu hatte, weil ich fürs klassische Sterben nicht vorbereitet bin, weil ich hier noch etwas zu erledigen habe, etwas, dass mir noch nicht bewusst ist, doch ich mir sicher bin, dass es mich erreicht.

Mit den Malsachen in meinem Auto und  meinem Hundemädchen kam ich hier an um erste einmal die Sprachschule zu besuchen. Drei Monate später entschied ich mich dafür hier zu leben und brach meine Zelte in Deutschland ab. Zwischenmenschlichkeit machte mir diesen Weg leicht. Ein Jahr gab ich mir Zeit  um nicht an meine Reserven zu gehen. Meine Private Challenge nur von der Kunst zu leben.

Sechs Monate Galerie zeigten mir dass ich allein damit nicht existieren kann und begann im Jazzclub zu arbeiten. Nach einem Jahr unendlicher Fröhlichkeit, wechselte das Gefühl der Glückseligkeit in Existenzangst. An Selbstbewusstsein mangelte es mir nie, schon gar nicht was meine Intelligenz  angeht. Ich musste erkennen, dass dieser Ort für meine Kunst nicht effektiv genug ist. Meine Familie fragten mich immer vor der Abreise „Was wirst du tun, wenn du scheiterst“ „Ich mach mir darüber Gedanken wenn es dazu kommen sollte“ war meine Antwort. Doch nach eineinhalb Jahren musste ich an einem Plan B arbeiten. Doch auch wieder hatte ich Schutz. Wie jeder der sich darauf einlässt. Ich kündigte in der Bar und ging für drei Wochen völlig erschöpft zurück nach Deutschland in mein Haus zu meiner Familie und meine Freunden. Die erste Woche des unendlichen Schlafens, war ich bereit für Freunde und Gespräche. Am Ende der zweiten Wochen geschah genau das, was einem geschehen kann wenn man nur aufmerksam genug ist. Innerhalb zwei Tagen Arbeit in meinem alten Beruf verdiente ich so viel wie in drei Monaten Spanien und so war die Entscheidung gefällt.

Zurück in Spanien folgten Gespräche mit Jon. Die endlosen Kämpfe zwischen uns mussten ein Ende haben und ich ging vier Monate über den Winter zurück nach Deutschland in meinen Beruf der Permanent Make-up Behandlung. Sicher war nur, dass ich diesen Beruf beherrschte, doch die Mitbewerber in der Zeit in der ich in Spanien lebte nicht weniger geworden waren. Erfolgsaussicht ungewiss. Was mich das Leben lehrte, dass Risiko belohnt wird. Und so war es dann auch. Der Erfolg den ich in der Zeit hatte war unbeschreiblich für mich. Nie hätte ich angenommen so durchzustarten. Doch war ich auch mal wieder innovativ und hatte mir ein Konzept zurechtgelegt. Nach 4 Monaten hatte ich mein finanzielles Ziel weit überholt und ging mit meinem Terminkalender und neuen Kontaktstudios nach Spanien zurück. Zwei Monate werde ich mich erholen und für einen Monat zurück kommen um zu arbeiten. Das werde ich nun im Wechsel tun. Meine Aufgabe in Spanien, Anzeigen schreiben und Konzepte für die nächste Arbeitsperiode zu erstellen und Kunst machen. Kunst die nun ganz entspannt fliesen kann. Auf meinem Plan steht die Ausstellung in NY, die genau dann kommt wenn ich dafür bereit  bin.

Die Kontakte die ich in den Jahren hier machte, die Freunde, all diese liebevolle Freundlichkeit dieser Menschen nach dem ich hier zurückkam war unbeschreiblich für mich. Zu spüren, dass die Menschen einen vermissten, einem sagten, dass es etwas fehlte ist so wundervoll für mich. Ich liebe die Spanier für ihre Herzlichkeit und ich lerne viel von ihnen. Genau wie meine deutschen Freunde die hier seit vielen Jahren leben und mit den Spaniern leben. Du kannst dich entscheiden einer der Deutschen zu sein, die hier nach 10 Jahren noch Touristen sind, weil sie die Sprache nicht sprechen oder mit ihnen zu leben und ihre Mentalität zu lieben. Ich kam hierher um in die Köpfe der Menschen sehen zu wollen und das spüren sie und helfen mir dabei wenn mein Spanisch versagen sollte. Als ich hier herkam, sagte man mir, dass wenn man als Ausländer hier von einem Spanier in sein Haus eingeladen wir, man dazu gehört, doch das ist sehr selten. Ich bin oft eingeladen, was mich stolz macht.

Seit ich wieder hier bin und entspannt bin, hat sich auch das Leben mit Jon gewandelt. Wir sehen uns nun an in gleicher Augenhöhe in die Augen. Er weiß dass ich die Bar nicht mehr brauche, auch wenn ich sie liebe. So arbeite ich noch einmal die Woche und wenn Not am Mann ist. Als ich ankam hatte ich erst mal eine Job in einem Neuen Lokal um die Wände zu bemalen, man bot mir an dort zu arbeiten, ich könnte arbeiten wann ich wollte und mir alles selber einteilen, selbst meine Deutschlandaufenthalte würden akzeptiert,   doch meine Prioritäten sind nun anders gelegt und ich bin nun  lieber Gast sein.

Die Arbeit in meinem Beruf setzt vor allem Verantwortung voraus. Ich brauche eine ruhige Hand und meinen Kopf völlig frei. Genau weil ich das sehr ernst nehme will ich in Deutschland meiner Arbeit  die volle Aufmerksamkeit geben. Deshalb werde ich hier nichts tun außer kreativ zu sein und glücklich.  Und glücklich sitze ich hier auf der Terrasse bei 25 Grad in der Nacht, höre mein Jazzradio.com überlege ob ich mich noch aufraffe um auszugehen oder schlafen.

Ich hab mich entschieden. Es ist Samstagabend und Black Glitter spielt heute in der Bar.

Morgen kann ich ausschlafen…

 

 

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