2000 km ...

Schlecht geschlafen, immer wieder aufgewacht, doch das ist normal für mich. Selbst wenn ich die Strecke nun schon so oft fuhr bin ich immer wieder aufgeregt. Es sind 2000 km alleine und seit den zwei versuchten Überfällen auf mich, innerhalb zwei Stunden zwischen Barcelona und Valencia, lange nicht mehr so entspannt. Ein Freund von mir hatte ein ähnliches Erlebnis letztes Jahr. Ein gestandenes Mannsbild mit seiner Frau, auch bei Barcelona ausgeraubt. „Vergiss nicht dein Pfefferspray“ schreit Jon von seiner Terrasse auf meine als ich frühstückend den Katzen ein letztes Mal beim toben zusehe. In fünf Wochen sind die groß. Jon fragt mich ob er mir die Taschen bringen soll. „Ne, mach ich selber, danke.“ Ich brauch das Ritual die Sachen selber ins Auto zu schlichten. Das Navi findet mein Hotel nicht und Google auch nicht. Hab mich gestern erst entschieden doch nicht im Auto zu schlafen und hab ein Hotel über Hotel.de gebucht. Gut so, die haben eine ServiceNummer bei der Bestätigung, denn das Hotel spricht nur Französisch und ich kann grad mal bis 9 zählen. Ich rufe die Nummer in Nürnberg an und die nette Dame telefoniert für mich mit dem Hotel. Ich hatte  ein Autobahnhotel an einem Tank und Rastplatz gebucht. Öh.. zu spät. Klar, dass das Navi die Adresse nicht findet. Ich geb also die Autobahn ein. „Jon, ich fahre jetzt“ ruf ich in seine Wohnung. Er drückt mich fest „Fahr gut und pass auf dich auf, ich kümmer mich um die Kinder.“ Ich muss lachen dabei sehen mir die Tränen auf halb8. Schnell weg!

Als ich den Berg runterfahre kullert schon die Erste als ich das Meer sehe. Da hilft nur eins: Gas geben. Ich ziehe das erste Mautticket, atme tief durch und denke, nur vier maximal fünf Wochen dann bin ich wieder da. Chiara die als erste im Auto liegt damit sie auch ja nicht vergessen werden kann, rollt sich ein. Die weiß genau was angesagt ist.

Nach 300 km auf dem ersten Rastplatz seh ich nach hinten und schupse sie weil ich eine Schreck bekomme. Die Maus schläft jetzt so fest dass ich manchmal Angst habe sie ist tot. Verdutz sieht sie mich an, so ungefähr wie: sind wir schon da?  Ne, schlaf weiter. In der Barcelona Gegend mache ich keine Rast mehr. Nach Deutschland hin kein Problem da ich mit meiner Kiste 900 km fahren kann ohne zu tanken. Ich tanke an der letzen Tanke vor Frankreich noch mal voll, klar, 20 Cent Unterschied

Der Motor ist ungewöhnlich laut. Das war er schon ein wenig als ich nach Denia fuhr, doch nachdem er in der Werkstatt war und neu Tüv hab, dachte ich es liegt an den neuen Winterreifen. Das Geräusch ist mit den neuen Sommerreifen aber mehr geworden. Immer nur ab 2500 Umdrehung. Also das ist mein Alptraum, eine Panne zu haben in einem Land wie Frankreich wo ich nullinger verstehe und spreche. Ich dreh die Musik lauter. Bei 800 km bin ich so nervös, dass ich meine Werkstatt anrufe. „Hm, das kann nur der Auspuff sein. Fahr weiter und gib Gas.“ Ich hab´s mir ja schon gedacht, es ist immer noch der erste Auspuff, doch ein Profi in Autoreperatur bin ich nun wirklich nicht, ich bin froh wenn ich mit 260 km über die Autobahn fahren kann. Haha, kleiner Scherz am Rande. Okay, die Info  hab ich gebraucht, somit wird die Musik noch ein wenig lauter. Chiara stört das nicht, sie hört und sieht mit 13 Jahren einfach schlecht. Bei ca. 1070 km und einer schmerzender Schulter vom Gurt und einem Rücken der nach einer Massage schreit bin ich Lyon angekommen, doch dummerweise ist mal wieder alles gesperrt wegen Bauarbeiten und mein TomTom dreht ab. Ich bin  todmüde, es ist schon nach 22h und ich halte mich seit Stunden mit meinen Augentropfen fit. Immer wieder leitet es mich auf die gleiche Strecke zurück. Nach 50 km Umweg reicht´s mir und ich frage einen Franzosen der ein wenig Englisch spricht nach dem Weg. Und komme um 23h endlich am Hotel an. Rastplatzhotel, klasse! Doch welch eine Überraschung. An der Rezeption sprechen sie ein wenig Englisch und Hund auch kein Problem. Für 42 € ein topsauberes Zimmer! Keine extra Kosten wegen meinem Wuffi oder dem abgesperrten Parkplatz, Nichtraucherzimmer, Moskitonetz an den Fenstern. Alles andere interessiert mich nicht, will nur schlafen und die Matratze ist völlig okay, findet auch Chiara die sich auf ihrer Decke einrollt. Duschen, eine Seite lesen, schnarch..

Ich schlafe lang. Bis halb Zehn, dann geht’s ohne Frühstück weiter. Der Rücken schmerzt schon nach 100 km, doch das ist normal. Die Sitze von meine Kiste sind nicht mehr die besten, aber ich liebe meinen  Renault. Wenn es das Model mit dem lustigen Hintern neu geben würde, ich würde den sofort wieder kaufen, doch der neue Megan ist mir zu checkermäßig.

Die Abstände von den Pausen werden kürzer. Ich gehe mit Chiara ein paar Schritte wenn möglich und streche mich, Tropfen gegen meine trockenen Augen und weiter. Je weiter ich fahre um so lauter wird die Musik, vom Jazz zu Faithless um nicht einzuschlafen. Nach 1400 km fahre ich nur noch wie in Trance. Ich funktioniere, mehr auch nicht. Die Flüge waren so günstig und ich tu mir das an wegen meinem Hundi, doch da will ich nun durch. Ich hab mich dafür entschieden einen Hund zu haben, also durch und sie ist das Beste was mit nach meinem ersten tollen Hund passieren konnte. Die kleinen Kätzchen haben ja keine Angst vor ihr und wenn sie in der Küche auf den kalten Fliesen liegt kommt Lily ganz neugierig und will sich zu ihr legen, wirklich. Chiara akzeptiert gerade mal ein näseln mit den Katzen doch schmusen mit den blöden Winzlingen die die ganze Aufmerksamkeit von Frauchen haben, auf keine Fall. Da wird schon mal fett angebellt.

Als ich dann endlich Frankreich verlasse und in Deutschland einfahre bin ich wieder munterer. SWR3 und schon geht’s ab. Für mich der beste Sender. Musik hält mich wach. Sehe wie ein Mercedesfahrer mich überholt und lacht. Klar, ich sitze da im Auto lautstark am singen. Kaum bin ich in Bayern ist mein Sender verschwunden und Faithless muss wieder dran glauben. Auf der kurvenreichen Strecke von Schweinfurt nach Coburg über die Landstraße macht mir mein Auto am meisten Spaß. Erleichtert und völlig erschöpft fahre ich die Einfahrt bei uns ein. Ich hab´s mal wieder geschafft, denke ich als ich in die Hosentasche greife und mein kleines Kruzifix raushole um mich zu bedanken…   

 

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