Nichts geht mehr..

10 Tage bin ich nun hier in Denia und hab mich so auf meine Werkstatt gefreut mit vielen Ideen zum Malen im Gepäck. Doch was ist bis jetzt passiert? Nichts! Rein gar nichts habe ich gemalt. Die ersten Tage brauchte ich um mich zu akklimatisieren. Ich bereitete ein Leinwand vor und zeichnete sie an. Seit drei Tagen schleiche ich nun um sie herum, doch es ist nicht das selbe Schauspiel dass ich sonst mit mir spiele, das Vorspiel bis ich mich an die Staffelei wage um den ersten Pinselstrich zu tätigen von dem ich weiß das er mich für die nächsten Stunden und Tage an dieses Bild fesseln wird. Diesmal war es anders. Ich musste mich zwingen, jeden Tag aufs neue. Heute endlich stand ich dann vor der Leinwand, die Farben vorbereitet und begann zu malen. Innerhalb einer Stunde wechselte ich die Farbsymphonie zwei Mal und nach dem dritten Mal wurde mir klar, dass das so nichts wir. Ich schmiss den Pinsel in die Ecke und schrie mir die Seele aus dem Leib vor Wut. Nicht über das Bild sondern auf mich, dass ich Trottel nicht erkannt habe was hier los ist und ich es dennoch versuchte. Ich nahm das Bild, schmiss es auf den Boden, nahm die nächst dunkle Farbe und goss sie über das angefangene Bild. Mit der Spachtel verteilte ich die Farbe über die große Leinwand sodass man von dem darunter gemaltem nichts mehr sah. Schmiss die Ateliertür hinter mir lautstark zu und holte noch einmal tief Luft um einen lauten Schrei loszulassen, dann ging´s mir besser.

Doch warum ist das so? War ich doch bevor ich nach Deutschland fuhr in der besten Phase seit langem. Malte ein Bild nach dem anderen ohne Pause, eines besser als das Andere und nun? Alles vorbei? Gerade jetzt wo ich mir mein Ziel gesteckt habe und daraufhin arbeiten möchte.

Ich muss ja alles analysieren, somit kam ich auch hier zu einer Erklärung:

In Deutschland bin ich der Businessmensch, der sich ein Konzept zurecht gelegt hat, dass er Werbetechnisch abarbeitet. Das eigentliche Permanent Make-up am Kunden ist Rutine, doch das Marketing um an die Kunden zu kommen, reine Strategie. Das meiste wird durch Bewusstsein gesteuert. In Spanien mache ich nur Kunst, das bedeutet ich muss mein Bewusstsein komplett ausschalten, damit mein Unterbewusstsein Bilder malen kann. Tue ich das nicht, so wie heute malt mein Bewusstsein und das Bild wird langweilig und nichtssagend, völlig ausdruckslos. Doch irgendwas kommt da grad gar nicht mit. Der Wechsel funktioniert nicht. Dabei hab ich das erreicht was ich wollte, denn nicht mehr in Spanien arbeiten zu müssen um den Kopf frei zu haben. Ha, doch so einfach ist das nicht. Den Druck den ich mir selber machen, verstärkt das Ganze noch. In Deutschland mache ich regelmäßig Sport, trinke fast keinen Wein, rauche gar nicht, stehe früh auf und geh früh ins Bett um meiner Verantwortung meiner Kunden gerecht zu werden. Hier in Spanien ging ich fast immer zu spät ins Bett, trank mindestens jeden Abend ein oder zwei Glas Wein, rauchte mal eine, schlief viel zu lange. Nur dieses Mal nicht. Ich kam hierher zurück und führte mein langweiliges Deutschlandleben weiter, nur dass ich nicht jeden Morgen mein Business zu organisieren hatte. Doch ein Konzept um kreativ zu sein gibt es nicht, das kommt aus einem heraus oder nicht. Bei mir grad nicht. Da hilft auch kein „Ich will aber.“ Dafür gibt es für mich nur einen offensichtliche Lösung. Lotterleben,  raus aus dem Haus, spät ins Bett, lang schlafen und den Kopf frei bekommen, doch vor allem kein Druck! Ich weiß der Tag wird kommen an dem es mich in die Werkstatt zieht wie einen Magneten und das nächste Bild wird fantastisch…

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Birgitta (Mittwoch, 01 August 2012 10:28)

    Hallo Kerstin,

    Deinen "Zustand" kann ich gut nachvollziehen;-)) So ging es mir schon oft - mir hat dann gerade der Perspektivenwechsel, den du ja schon duch den Ortswechsel hast geholfen...vielleicht hilft auch eine Phase des weder Business noch Malens um dich wieder in Stimmung zu grooven....

    Lieben Gruß
    Birgitta